Linz
03.02.2020

Kurzandacht der Woche

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[20/06] Wer seinem Bruder zürnt, ihn herabwürdigt …

„Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt ist (2. Mose 20,13; 21,12): »Du sollst nicht töten«; wer aber tötet, der soll des Gerichts schuldig sein. Ich aber sage euch: Wer mit seinem Bruder zürnt, der ist des Gerichts schuldig; wer aber zu seinem Bruder sagt: Du Nichtsnutz!, der ist des Hohen Rats schuldig; wer aber sagt: Du Narr!, der ist des höllischen Feuers schuldig“ (Matthäus 5,21.22).

Beim Nachdenken über die Zehn Gebote dürfen wir davon ausgehen, dass diese Gebote nach dem Willen Gottes keineswegs Instrumente der Einengung menschlicher Lebensfreude sind, sondern von Gott gegeben sind zur Entfaltung eines geglückten Leben und der Lust des Menschen nach dem auf Freude, Schönheit und Glück des Menschen abzielenden Willen Gottes. Was wäre das für eine glückliche menschliche Gesellschaft, würden alle Menschen die Zehn Gebote in ihrer ganzen von Gott gewollten Tiefe uneingeschränkt leben. In der Bergpredigt stellt uns Jesus ein Beispiel vor Augen, das sicher viele zusammenzucken lässt. Wir wollen uns diesem Beispiel trotzdem stellen.

Wir können annehmen, dass die Hörer der Bergpredigt sehr wohl die Zehn Gebote kannten, sie gehörten (und gehören) ja zur „Grundausstattung“ eines Gläubigen. Aber kannten (und kennen) sie die Tiefe des Dekalogs wirklich, die väterliche Absicht Gottes für seine Kinder? So stellte Jesus ein Gebote vor seine Hörer hin und interpretierte den ursprünglichen Willen Gottes: Siehe Bibeltext oben in Matthäus 5,21.22:

 „Du sollst nicht töten“ – das ist eine klare Aussage im Gesetz. Aber Jesus vertieft das Gebot: Wer seinem Bruder (Glaubensgenossen) zürnt und ihn herabwürdigt und wer etwa seinen Bruder als „Nichtsnutz“ beschimpft (= Hohlkopf, [gottloser] Narr) oder wer seinen Bruder als „Narr“ (= Verrückter, Gottloser) beschimpft, hat das Gebot „Du sollst nicht töten“ in den Augen Gottes schon übertreten und ist mit dieser Verletzung der Brüderlichkeit vor Gott verantwortlich geworden.

Wer also meint, er habe das Gebot „Du sollst nicht töten“ erfüllt, wenn er an seinem  Nächsten keine Bluttat begeht, geht am tiefen Sinn des Tötungsverbotes vorbei, das Tötungsverbot geht tiefer!

Wer den tiefen Sinn der Aussage „Du sollst nicht töten“ begriffen hat, wird darin auch den Aufruf zu mehr Liebe und Zuwendung, zu Hilfe und Versöhnung erkennen. Er wird dieses Gebot Gottes dann als Weisung zu einer glücklichen, frohen und fürsorglichen Beziehung zu seinem Nächsten verstehen! [MH]

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